logo_klein
Sitemapper

Botschafter der Rebe
Unter der großen Rebpergola lässt sich Eckhard Kloster einen feinen Tropfen aus dem eigenen Wingert schmecken

Der Botschafter der Rebe

Eckhard Kloster bringt Wein und Weinkultur von Worms an den Niederrhein

von Uwe Gebauer und Wilfried Gerhartz
Redaktioneller Bericht der Lippischen Landeszeitung der Ausgabe 12./13. August 2006 sowie in den Westfälischen Nachrichten

Über wohl 100 Meter zieht sich die Pergola mit 200 Rebstöcken dahin. Darunter steht eine lange Tafel. Ein wenig abseits liegt ein großes Haus, das dezent an die Toskana erinnert. Ringsumher finden sich zahlreiche Gerätschaften, die allesamt irgendwas mit dem Weinmachen zu tun haben. So sieht ein Weingarten ans, der die Besucher zum Verweilen einlädt, in dem die Gäste gerne stöbern. Mitten drin ein engagierter Winzer: Eckhard Kloster. Der Mann ist anderenorts Herr über 6,5 Hektar Weinberge und an die 60 000 Weinstöcke.

Die 200 Reben in diesem Garten mit seinem Drittel Hektar Fläche freilich liegen ihm besonders am Herzen: Sie gedeihen nicht im Rheingau oder an der Mosel, sondern am Niederrhein bei Hamminkeln. Eckhard Kloster ist ständiger Vertreter des Weins im äußersten Nordwesten Nordrhein-Westfalens.



”Hier haben wir Kühe, zu Hause haben wir Öchsle”. sagt Kloster mit einem Blick auf die Weiden rundum. Und räumt ein, dass sein Weingarten in Wertherbruch samt dazugehörigem Weinkontor und Wein-Freilichtmuseum “ein wenig Traumtänzerei” sei.

Der Mann ist von missionarischem Eifer beseelt: Er will den Biertrinkern im nördlichen Rheinland und in Westfalen den Wein nahe bringen. Das tun er und seine Frau Heike schon seit langem auf die konventionelle Art: Indem sie ihren Wein aus dem Familienweingut in Worms schwerpunktmäßig am Niederrhein und in Ostwestfalen verkaufen. Das tun sie nun auch im übertragenen Sinne: mit einer eigenen “Weinschule”. Dafür hat er die Weinstöcke an den Niederrhein, in die Heimat seiner Frau gebracht.


Dafür hat er Gerätschaften. Urkunden, Medaillen, Flaschen und Gläser von Worms nach Hamminkeln getragen, die schon sein Vater über Jahrzehnte gesammelt und aufbewahrt hat. Dafür hat er alles aufgebaut und angepflanzt, was einen ordentlichen Weinberg ausmacht. Neben den Weinstöcken finden sich Rosen (die im Weinberg beizeiten den Ausbruch von Pilzkrankheiten anzeigen müssen).

Weinbergpfirsiche gedeihen; Steinterrassen sind angelegt, Rebstöcke werden auf unterschiedliche Arten erzogen. Selbst das Terroir, das geschmacksbestimmende Zusammenspiel von Mikroklima, Bodenart und Landschaft kann der Besucher erleben. Eckhard Kloster hat Schiefer, Sandstein und Kalkgestein von zu Hause mitgebracht. In Wertherbruch verwittert der Stein in Sonne und Frost.



Der Weingarten mindert vielleicht auch das Heimweh. Eckhard Kloster sieht sein Gut in Worms nur noch tageweise. Ein Verwalter und ein paar Saisonkräfte kümmern sich um die Arbeit im Weinberg; ein Nachbar schaut im Keller nach dem Rechten. Kloster ist nur noch vor Ort, wenn die meiste Arbeit zu erledigen ist. Dem Wein bekommt es offenbar ganz gut, dass der Chef nur noch die Aufsicht führt. An die 60 000 Flaschen füllt Kloster Jahr für Jahr in Worms ab.

Freilicht2

In Wertherbruch freilich macht er noch keinen Wein. Bislang gedeihen in seinem niederrheinischen Wingert nur „multiresistente Tafeltrauben". Was nicht so bleiben muss: Müller-Thurgau beispielsweise oder der Modewein Sauvignon Blanc hätten eine echte Chance, so weit nördlich zu reifen. Doch zuvor müsste sich Kloster mit der EU-Bürokratie anlegen: Der Weinanbau ist in der Union genehmigungspflichtig.


Noch scheut der Winzer vom Niederrhein die Konfrontation. Das muss nicht so bleiben. Ein paar Kilometer weiter westlich, im niederländischen Achterhoek wächst schon echter Wein, wird schon gekeltert - findige niederländische Landwirte hatten sich schon vor Jahrzehnten EU-Kontingente   gesichert   und nutzen nun das immer wärmere Klima. Nicht nur der Kohlebergbau wandert nach Norden, auch der Weinbau hat das Zeug dazu.

Vorerst freilich reichen der Familie Kloster ihr Museum und das Weinkontor. Ein besonders empfehlenswertes Produkt vom Niederrhein, ist ein authentischer Apfel-Secco aus Äpfeln von Streuobstwiesen. Auch das ist ein feiner Tropfen. Mindestens zwei Mal wöchentlich empfängt die Familie nun Nordrhein-Westfalen, die neugierig auf den Wein, seinen Geschmack und seine Kultur sind. Dann erklärt Eckhard Kloster, welche Arbeit in Wingert und Keller zu tun ist und wie sie erledigt werden muss. Dann zeigt er Flaschen und Werkzeuge, Gläser und Fässer aus der Weingeschichte. Die Weinführungen durchs Museum und die Weinerlebnisseminare enden immer gleich: Mit einer soliden Weinprobe. Und dabei erleben die Neugierigen zweierlei: Dass man das Terroir wirklich mit jedem Schluck schmecken kann. Und dass Traumtänzerei durchaus ihre duftenden und wohlschmeckenden Seiten hat.

Das Wein-Freilicht-Museum ist während der Vegetationsphase vom 1. Mai bis 30. September jederzeit nach telefonischer Vereinbarung für Sie geöffnet.
Der Eintritt wird gespendet für die Deutsche Kinderkrebshilfe.
 
Kontakt: 0 28 73 / 91 94 44


Gruppen-Events
Wir haben Angebote für Sie zwischen 15.- € und 99.- € pro Person. (inkl. gesetzl. Steuern)

In vino vertitas 1pdf In vino vertitas 2pdf In vino vertitas 3pdf, Weinerlebnisseminar Basispdf Weinerlebnisseminar 2pdf NEU! Teambuilding pdf

» Impressum